Landleben – Haschisch und Halleluja

Meinen  Kopf mitgezählt hatte unser Dorf 1125 Einwohner. Klein genug um Erlebnisse authentisch und wahrheitsnah wiederzugeben. Doch gleichzeitig auch klein genug, um Namen und Orte nicht im Original zu benennen. Also sind diese verändert und sollten dennoch Ähnlichkeiten auftreten, sind diese rein zufällig.

Unser Dörflein schmückt ein Rokoko-Kirchlein und sogar ein eigenes Dorfwirtshaus. Im Westen schlängelte sich ein Flüßchen mit Biberbestand, das freilich dem Rhein in Köln, dem Nil bei Kairo oder gar dem Mekong bei Saigon nicht das Wasser reichen kann.

Ich wurde vor 40 Jahren aufgrund eines massiven Liebesanfalls stadtflüchtig. Und es zog mich, genauer ich zog selbst auf’s Land. Der Frage, ob ich dies je bereut habe, folgt üblicherweise ein langes, tiefschweigendes  Nachdenken, das meist von keiner Antwort abgeschlossen wird. Zumindest bin ich offenbar in den Jahren meines Landlebens  diploma-tischer geworden.
Das Leben auf dem Lande gilt vielen Menschen immer noch als in hohem Maße erstrebenswert.
Das Häuschen im Grünen, die gute Luft sowie die  stets freundlichen Nachbarn geben den Stoff ab, aus dem die Landleben-Träume gestrickt sind.
Und sogar sprachliche Widersprüchlichkeiten wie das Rausch- und auch Arzneimittel Haschisch sowie der  jüdisch-christliche Lobruf Halleluja finden sich in meinem dörflichen Lebensraum.

                                                                                                                                                                                                                       Gustl Mair